JUNGER GOLFBALL - ALTER GOLFBALL
Eigentlich gibt es keine exakte Definition. Es gibt natürlich alte Bälle, die wie neu aussehen und Neue, die gealtert erscheinen.
Als jüngere Sammlerbälle gelten in der Regel solche, die nach 1950 hergestellt wurden. Aber auch in der nachfolgenden Zeitspanne sind für Sammler begehrliche Exemplare entstanden, die sich noch häufig samt Originalverpackung beschaffen lassen.
Einzelne limitierte Editionen diverser Produzenten sind allerdings auch heute schon selten und rar.
Obwohl sich eine Unmenge von Büchern und Publikationen im englischen Sprachraum mit Golfbällen befassen, fehlt es an einem verbindlichen Katalog über den Zeitraum nach 1950.
Hinsichtlich der Zuordnung und Beschreibung älterer Golfbälle aus der Zeit vor 1950 existiert umfangreiche Literatur, wobei hier insbesondere auf das herausragende Buch "The Story of the Golf Ball" von Kevin McGimpsey hinzuweisen ist.
In der nachfolgenden Übersicht sind die wesentlichen historischen Zeiträume der Golfballproduktionen vor 1950 aufgeführt:
Ca. 1400 bis 1600
PERIODE DER HOLZBÄLLE
Historische Quellen verweisen auf Golfbälle, die aus Hartholz hergestellt wurden. Leider sind aus dieser Zeit keine Exemplare überliefert.
Ca. 1500 bis 1850
PERIODE DER FEDERBÄLLE (FEATHERIES)
In einen äußeren, kunstvollen vernähten Ledermantel wurden Geflügelfedern eingepresst.
Autorisierte Ballhersteller (schottisch=ballmaker) betrieben dieses Handwerk und versahen die Bälle häufig mit ihrem Namen.
Ca. 1850 bis 1900
GUTTAPERCHA PERIODE
Englische Kolonialisten fanden heraus, dass sich der Saft des fernöstlichen Gutta-Percha Baumes im warmen Zustand verformen lässt und beim Erkalten diese Form dauerhaft beibehält.
Mit diesem Material wurde vielfach experimentiert und so unterscheidet man über die Jahre mehrere Fertigungsvarianten:
AB CA. 1900
GUMMIBALL PERIODE U.Ä.
Die chemische und industrielle Entwicklung ermöglicht das Warmpressen in beliebiger Formgebung und großer Stückzahlen.
Alle Golfbälle datieren aus der vorgenannten Übersicht und gelten als klassische Sammlerexemplare.
Die aufgeführten Zeiträume überlappen sich.
Auch die äußere und innere Beschaffenheit eines Golfballes erlauben eine zeitnahe Zuordnung.
Ca.1500 bis 1850
FEATHERY (Federbälle)
Außen glattes, vernähtes Leder.
Ca. 1850 bis 1900
GUTTA PERCHA
Verteilt über die Oberfläche des Golfballes finden sich die einzelnen und gleichmäßig angeordneten Längs– und Querrillen.
Ca. 1890 bis 1920
BRAMBLE
Noppenoberfläche wie bei einer Brombeere.
Ca. 1915 bis 1930
MESH
Zurückgesetzte (vertiefte) eckige Dimple (Vertiefungen) in allen Variationen.
Seit ca. 1925
ROUND DIMPLE
Runde vertiefte Dimple.
Neuere, wie auch alte Golfbälle haben den Vorzug, dass man sie nicht nur kaufen, sondern auch finden kann.
Auf Golfplätzen und in deren unmittelbarer Umgebung zeugen sie häufig von einem wenig glücklichen Spieler, welchem sie abhanden gekommen sind - letzteres seit Hunderten von Jahren.
Es gilt – je älter der Golfplatz, je älter können auch die Fundbälle sein.
Alte Bälle werden von der Natur aufgenommen und liegen mitunter 20 cm tief in der Erde. Je nach chemischer Zusammensetzung des betreffenden Bodens nehmen sie Schaden oder lösen sich im Laufe der Jahrzehnte auf.
In Wasserhindernissen oder nahen Seen überleben Golfbälle erfahrungsgemäß sehr lange.
Fundbälle haben sicherlich schon manche Sammlerleidenschaft veranlasst. Der erste und bekannteste Golfballsammler war Harry B. Wood, der um 1900 nach Bällen suchte. Aus den von ihm gefundenen Bällen, seinerzeit wenig wertvoll, entstand die berühmte Harry B. Wood Sammlung, die leider nicht mehr zusammenhängend ist, in der Summe aber heute noch einen Millionenwert darstellen würde.
Insofern ist zu vermuten, dass Fundbälle nur genügend lange aufbewahrt werden müssen, um selten und teuer zu werden.
Das gilt auch heute noch, denn der Golfball der heute gefunden wird, stellt sich möglicherweise schon in wenigen Jahren als ein seltenes Überbleibsel einer Serie heraus, von der nur wenige oder keine anderen mehr existieren.
Auch von den Gutta-Percha Bällen wurden viele Millionen hergestellt – und doch gibt es heute nur wenige gut erhaltene und damit wertvolle Exemplare.
Im englischen Sprachraum leben ganze Unternehmen von Fundbällen, sogenannten Lakeballs. Irgendwann begannen findige Burschen, in Seen bevorzugt, nach aktuellen, zum Spielen geeigneten Bällen zu suchen, die aufgefrischt und dann wieder verkauft wurden. Heute durchwühlen ganze Taucherkolonnen verstärkt den Bodenschlamm solcher Gewässer, um alte Bälle aufzufinden. Der lake- oder pondball (Seeball) gilt in Sammlerkreisen häufig als Durchschnittsware. Gleichwohl tauchen seltene Exemplare dieser Gattung inzwischen auch in hochrangigen Auktionshäusern wie Sothebys und Bonhams auf und erzielen dort zuweil Spitzenpreise.
Sehr clevere englische Zeitgenossen haben sich die "Golfballschürfrechte" für Grundstücke und Seen gesichert, auf denen sich in früheren Zeiten einmal ein Golfplatz befand. Goldgräberstimmung auf ehemaligen Golfplätzen!
Wer nicht das Glück hat, sich derartige „claims„ abstecken zu können, muss abwarten, bis diese Schätze an den Markt gelangen.
Eine Vielzahl von Auktions- häusern versteigern regelmäßig recht passable Bälle.
Kommerzielle Agenturen, die weltweit operieren sind zu Diensten, und jedoch nicht alle vertrauenswürdig.
Also: Business as usual!
Der Wert eines Golfballes hängt nicht nur von seiner Schönheit, Seltenheit und seinem Alter ab, sondern sehr wesentlich auch von seinem Zustand.
Es gibt eine bestehende Klassifizierung, die sechs Zustände eines Golfballes beschreibt:
Es gibt einzelne sehr alte Golfbälle, von denen weltweit nur wenige Exemplare existieren. In der vorgenannten Zuordnung würde diese Seltenheit unter FAIR, wenn nicht sogar unter POOR fallen.
Gleichwohl gehören diese Raritäten aber zu den wertvollen und begehrten Exponaten.
Insofern ist festzustellen, dass extrem seltene Exemplare einer eigenen, unabhängigen Spezifikation unterliegen, die letztendlich der Markt bestimmt.
Bewertungsrichtlinien machen also nur dann Sinn für Golfbälle, wenn sie noch in verschiedenen Qualitäten auf dem Markt sind.
Die vorgenannten 6 Klassifizierungen sind mehr oder weniger Gewohnheitsrecht geworden, sind aber sicherlich nicht ausreichend exakt.
Dem kann dadurch Abhilfe geschaffen werden, indem man jeder einzelnen Zustandsbeschreibung weitere drei Unterteilungen zuordnet.
Schon alleine der Begriff MINT ist schwierig. Es gibt nämlich MINT und MINT − d.h. ein Golfball war vielleicht vor achtzig Jahren MINT, jetzt jedoch hat er eine ganz leichte Verfärbung, zwei kleine Punkte ohne Farbe oder es haben sich sogar kaum sichtbare Haarrisse eingestellt. Das alles läuft bislang unter MINT. Es wäre aber dienlich, derartige Umstände mit einem MINT AAA, MINT AA oder MINT A zu erfassen.
MINT AAA wäre der absolute Topball. MINT A wäre immer noch ein wie neu aussehender Golfball, dessen guter Zustand ihn aber noch nicht in MINTLIKE degradiert.
Das gleiche gilt für alle bislang gebräuchlichen 6 Kategorien.
Das nachfolgende Schema verdeutlicht die einfache Handhabung dieser Regelung.
Mit diesem Vorschlag wende ich mich an alle Gutachter, Sammler und Verkäufer, die es gut meinen.